Der Gott Apollon gilt in der griechischen und römischen Mythologie sowohl als der Gott der Künste als auch der Heilung.
„Praxis für grafische Heilkunst*“
Ein Kunstprojekt von Georg Mann im Rahmen des Residenzprogramms des Vereins artbellwald.ch
Ort:
Kirchenstadel im alten Dorfkern von Bellwald
Turmweg 13, CH-3997 Bellwald
Zeitraum:
16. Januar – 27. Februar 2026
Öffnungszeiten Atelier:
Freitag, 14–18 Uhr
Terminvereinbarungen zur Praxis:
wasserdost@posteo.ch
Beispiele aus der Praxis:
1. Die Frau mit dem Knaulgras (siehe Beispielbild ”Knaulgras” Bleistift auf Papier 2025)
Im Verlauf meines Porträtzeichnens (hier ca. 30–40 Minuten) führe ich eine Art kleines Anamnesegespräch mit meinem Gegenüber. In diesem Falle sprachen wir unter anderem über die Bedenken der Frau bezüglich ihrer vielen Arbeit am Computer und der daraus entstehenden Haltungsschäden (der Buckel). Zur Vorbeugung und Korrektur (in diesem Falle ausschließlich auf die Gestalttheorie bezogen) wählte ich als Pflanze das Knaulgras/Knäuelgras aus. Die Pflanze hat keine ausgewiesene Heilwirkung, überzeugt aber bei Wind und Wetter durch eine geschmeidige und aufrechte Haltung und war – auch das ist hilfreich – meinem Gegenüber gut bekannt. Da es sich um ein Kunstprojekt handelt, gebe ich natürlich keinerlei Heilsversprechen*. Dennoch war und ist die porträtierte Person bis heute von der Idee und dem „Präparat“ sehr begeistert.
2. Meine Urgroßmutter Eliesabeth
trug zur Selbstverteidigung eine Stecknadel bei sich. Unglaublich, welch verheerende Wirkung ein so unscheinbares Ding haben kann.
Die Distel in diesem Mischporträt ist eine Silberdistel, eine sehr schöne Pflanze, die sich eventuell auch als hilfreich für die Gefahren „der Schönen“ erweisen kann – nicht zuletzt damit, dass sie zum Mitführen einer Stecknadel animiert.
Das Initial:
Der Großvater war ein Kräuterkundiger. Der Enkel ist ein Bildhauer und Zeichner. In seinem aktuellen Projekt verbindet Georg Mann die Welt der Heilpflanzen mit der Porträtkunst und erforscht so das Potenzial von Kunst als Medizin.
Die „Praxis für grafische Heilkunst“ geht von einem Grundgedanken aus: Pflanzen und Tiere kommunizieren ihre „Wirkung“ auch maßgeblich über visuelle Codes. Die besondere Form eines Blattes, die intensive Farbe einer Blüte oder ein komplexes Muster – all das sind Informationen, die wir bewusst und unbewusst aufnehmen. Viele aktuelle und historische Beispiele weisen darauf hin, dass die Heilkraft der Natur nicht nur chemisch durch Tabletten, Extrakte, Tees usw., sondern auch visuell, durch ihre reine Anschauung, entfaltet werden kann.
Kernelement der künstlerischen Arbeit ist das Herstellen von Kontakt über das Verschmelzen der Porträts von Menschen mit den charakteristischen Merkmalen von Heilpflanzen. Das fertige Porträt nutzt die porträtierte Person dann nicht durch orale Einnahme, sondern als visuelles Präparat. Neben dem Spiegel oder an einer anderen oft besehenen Stelle angebracht, schafft es dauerhaften Kontakt zwischen der Heilpflanze und der porträtierten Person.
Weitere Beispiele:
3. ”Schlüsselblume” Bleistift, Farbe Papier 2025
4. ”Alpenveilchen” Untersberger Marmor 2025
Text Bellwald, 14.01.2026
Es ist wichtig, wohin man blickt.
Wir leben in einer Zeit der Bilder.
Es ist von großer Bedeutung, wohin wir blicken. In der modernen Medizin entscheidet oft ein Bild darüber, ob etwas erkannt, verstanden oder behandelt werden kann. Röntgen, CT oder MRT machen sichtbar, was dem Auge verborgen bleibt. Sichtbarkeit ist entscheidend. Doch Bilder wirken nicht nur technisch. Sie strukturieren Wahrnehmung, geben Orientierung und schaffen Vertrauen. Bilder haben Einfluss, helfen uns zu verstehen und uns gegebenenfalls neu zu verorten.
In den letzten Jahrzehnten rückte im medizinischen Kontext zudem ein weiterer Aspekt verstärkt in den Fokus: Innere Bilder, Heilvisualisierung und geführte Imagination zeigen, dass das, was wir sehen – oder uns vorstellen –, Einfluss auf Wohlbefinden, Stresslevel und Selbstwahrnehmung haben kann. Bilder begleiten und steuern maßgeblich unsere inneren Prozesse, und diese Einsichten sind keineswegs neu.
Die Signaturen- und Formlehre des Paracelsus ging davon aus, dass Gestalt und Erscheinung einer Pflanze in direktem Zusammenhang mit ihrer Wirkung stehen. Und lange bevor es die moderne Medizin gab, arbeiteten Menschen bereits mit Bildern, Zeichen und Symbolen, um Krankheit einzuordnen und Genesung vorstellbar zu machen. Bilder geben Halt, schaffen Bedeutung und verbinden Körper, Natur und Vorstellungskraft. In den Praktiken von Schamanen oder Heilkundigen z. B. waren es Zeichen, Zeichnungen, Masken, Amulette oder rituelle Objekte, die einen wichtigen Anteil am Heilgeschehen hatten.
Die „Praxis für grafische Heilkunst“ beschreitet einen künstlerischen Sonderweg zwischen Kunst und Medizin. In meiner künstlerischen Arbeit stehen neben Asthetik und Raum auch Kommunikation und die Übertragung von Information im Mittelpunkt. Wenn eine Arbeit gelingt, kann Anschauung Wirkung entfalten – als Erinnerung, als Erschütterung, als Orientierung oder als stiller Impuls.
Die zu Beginn dieses Textes angeführten Beispiele bringen mich zu der Annahme, dass die visuelle Dimension – das Bild – auch im medizinischen Kontext ein großes, bislang nur teilweise erforschtes Potenzial besitzt. Der künstlerische Sonderweg der Praxis sucht daher gezielt nach Möglichkeiten, Bilder zu schaffen, die zwischen Körper und Geist sowie zwischen Mensch und Natur vermitteln. Ich verstehe mich dabei ausdrücklich nicht als Heiler; meine Aufgabe sehe ich vielmehr darin, visuelle Verbindungen herzustellen.
Die Praxis lädt dazu ein, den eigenen Blick neu auszurichten – auf sich selbst, auf Pflanzen, auf Formen und auf Bilder, deren Zweck es ist, die Vorstellungskraft anzuregen und einen Kontakt zwischen Körper, Geist und Natur zu ermöglichen.
Aktuell: Besuch an der Praxis in Bellwald:
*Hinweis: Die „Praxis für grafische Heilkunst“ ist ein künstlerisches Forschungsprojekt und stellt kein therapeutisches oder medizinisches Angebot dar. Die Arbeiten erheben keinen Anspruch auf eine medizinische, therapeutische oder heilkundliche Wirkung. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachperson des Gesundheitswesens.
Bitte besuchen Sie diese Seite bald wieder. Vielen Dank für ihr Interesse!




